Agrar­po­li­tik

Bodenreform in Ostdeutschland und weitere Entwicklung

Bear­bei­tet von Chris­ti­an Koch

Entschädigungslose Enteignung

In den Jah­ren 1945 bis 1949 voll­zog sich in der sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne bzw. spä­te­ren DDR die demo­kra­ti­sche Boden­re­form, wobei sämt­li­che Betrie­be mit mehr als 100 ha Betriebs­flä­che, ein­schließ­lich des gesam­ten Inven­tars und sämt­li­che Betrie­be auch unter 100 ha, deren Eigen­tü­mer als akti­ve Ver­tre­ter der NSDAP bzw. Kriegs­schul­di­ge oder Kriegs­ver­bre­cher ein­ge­stuft wur­den, ent­schä­di­gungs­los ent­eig­net wur­den.

Grundeigentum der Kirchen nicht angetastet

Die Durch­füh­rung der Boden­re­form erfolg­te unter Anlei­tung der Län­der­ver­wal­tun­gen. Das Grund­ei­gen­tum der Kir­chen wur­de von der Boden­re­form nicht betrof­fen. Die ent­eig­ne­ten Flä­chen wur­den über­wie­gend ehe­ma­li­gen Land­ar­bei­tern, land­ar­men Bau­ern, Umsied­lern und Flücht­lin­gen zur Bewirt­schaf­tung über­ge­ben. Für die Men­schen damals schnitt das Ereig­nis tief ins Leben: Es erlaub­te die wirt­schaft­li­che Fort­exis­tenz hun­dert­tau­sen­der Flücht­lin­ge aus den deut­schen Ost­ge­bie­ten und es revo­lu­tio­nier­te die bäu­er­li­chen Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen in Deutsch­land ost­wärts der Elbe. Die Zeit der gro­ßen Land­be­sit­zer war vor­über.

Quel­le: „Jun­ker­land in Bauernhand“/MDR.de,LexiTV

In dem Doku­ment „Zur Land­wirt­schaft der DDR und Beschrei­bung des volks­ei­ge­nen Gutes „Tho­mas Münt­zer“ in Mem­le­ben sowie der Koope­ra­ti­on Pflan­zen- und Tier­pro­duk­ti­on „Unstrut Tal“ Mem­le­ben“ ist u.a. zu lesen: „ Demo­kra­ti­sche Boden­re­for­men in dama­li­gen Län­dern Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Sach­sen, Thü­rin­gen sowie zwei preu­ßi­schen Pro­vin­zen Bran­den­burg und Sach­sen der sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne 1945:

  • Zer­schla­gung des jun­ker­li­chen Groß­grund­be­sit­zes und Ent­eig­nung der Nazi­ak­ti­vis­ten und Kriegs­ver­bre­cher
  • Schaf­fung des volks­ei­ge­nen Boden­fonds von 3,3 Mill. ha
  • Land­ver­ga­be an 1,3 Mill. neu­er Eigen­tü­mer, dar­un­ter 90.000 Umsied­ler, 210.276 Neu­bau­ern­wirt­schaf­ten mit einer durch­schnitt­li­chen Grö­ße von 8,1 ha, vie­le Kleinst­be­triebs­be­trei­ber mit durch­schnitt­lich 3,3 ha sowie Arbei­ter, Ange­stell­te und Hand­wer­ker in Stadt und Land, Kleinst­zu­tei­lun­gen 0,25 bis 1,0 ha
  • Bil­dung von 532 Pro­vin­zi­al- bzw. Lan­des­gü­ter als Vor­stu­fe der spä­ter volks­ei­ge­nen Güter (VEG), dar­un­ter Lehr- und Ver­suchs­gü­ter der Land­wirt­schaft­li­chen Fakul­tä­ten  Greifs­wald, Hal­le, Jena, Leip­zig und Ros­tock.“

 

Wei­ter :

Ab 1945/46 Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der gesam­ten Agrar­struk­tur:

  • Abschaf­fung der tota­len Pflicht­ab­lie­fe­rung und Schaf­fung eines dif­fe­ren­zier­ten Sys­tems der Ablie­fe­rung und des frei­en Auf­kaufs
  • Schritt­wei­se Ein­füh­rung der Plan­wirt­schaft
  • Bil­dung der Ver­ei­ni­gung der gegen­sei­ti­gen Bau­ern­hil­fe (VdgB) als Mas­sen­or­ga­ni­sa­ti­on der Bau­ern, zunächst auch Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on der Bau­ern
  • Schritt­wei­ser Auf­bau volks­ei­ge­ner Erfas­sungs- und Auf­kauf­be­trie­be
  • Bil­dung der volks­ei­ge­nen Maschi­nen- und Aus­leih­sta­tio­nen (MAS), spä­ter Umbe­nen­nung in Maschi­nen-Trak­to­ren­sta­tio­nen (MTS)
  • Schaf­fung der volks­ei­ge­nen Güter (VEG) sowie ihrer Gebiets- und Fach­ver­ei­ni­gun­gen (1949)
  • 1951 Grün­dung der Deut­schen Aka­de­mie der Land­wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten zu Ber­lin (DAL) und ihrer Insti­tu­te
  • 1952 Bil­dung der staat­li­chen Forst­wirt­schafts­be­trie­be (STFB) auf der Grund­la­ge der vor­an­ge­gan­ge­nen Kreis­forst­äm­ter“
 
Quel­le: Aus „Zur Land­wirt­schaft der DDR und Beschrei­bung des volks­ei­ge­nen Gutes „Tho­mas Münt­zer“ in Mem­le­ben sowie der Koope­ra­ti­on Pflan­zen- und Tier­pro­duk­ti­on „Unstrut Tal“ Mem­le­ben“

Verordnete Bodenreform”

Die Ver­wal­tung der Pro­vinz Sach­sen beschloss bereits am 3. Sep­tem­ber 1945 die Ver­ord­nung über die Boden­re­form, die von den ande­ren Län­dern der sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne bis zum 11. Sep­tem­ber 1945 fast gleich­lau­tend über­nom­men wur­de.

Die sowje­ti­sche Mili­tär­ad­mi­nis­tra­ti­on (SMAD) nahm mit Hil­fe der KPD die Umset­zung der Boden­re­form fest in die Hand und kon­trol­lier­te die in den Gemein­den ein­ge­setz­ten Kom­mis­sio­nen. Die Ein­stu­fung als Kriegs­ver­bre­cher oder akti­ver Natio­nal­so­zia­list unter­lag in kei­ner Wei­se einer gericht­li­chen Kon­trol­le und es kam zu einer „ver­ord­ne­ten“ Boden­re­form.

In einem „klei­nen Bei­trag zur Dorf­ge­schich­te von Buro und Klie­ken”, S. 7 wird die prak­ti­sche Durch­füh­rung beschrie­ben:

In den Gemein­den wur­den bis zum 15. Sep­tem­ber Gemein­de­bo­den­kom­mis­sio­nen, die aus fünf bis sie­ben Per­so­nen zu bestehen hat­ten, instal­liert. Sie setz­ten sich aus Land­ar­bei­tern, land­ar­men Bau­ern unter 5 ha und am Ort woh­nen­den Umsied­lern zusam­men. Das zu ver­tei­len­de Land soll­te nicht über 5 ha betra­gen, nur bei schlech­ter Boden­qua­li­tät 8 ha. Die neu ein­ge­rich­te­ten Wirt­schaf­ten waren schul­den­frei. Sie durf­ten jedoch nicht ver­kauft, ver­pach­tet oder ver­pfän­det wer­den. Die Maschi­nen der ent­eig­ne­ten Betrie­be erhiel­ten „Komi­tees der gegen­sei­ti­gen Bau­ern­hil­fe“ zur gemein­sa­men Nut­zung […] Die staat­li­che Domä­ne in Buro umfass­te 644 ha. Der Domä­nen­bo­den wur­de an Land­lo­se, Umsied­ler und Ein­hei­mi­sche ver­teilt. Ins­ge­samt wur­den hier in Buro 39 Neu­bau­ern­stel­len geschaf­fen, 15 Neu­bau­ern­hö­fe wur­den neu gebaut. Die Ver­tei­lung war bereits Mit­te Novem­ber abge­schlos­sen. Auch ver­schie­de­ne Kleinst­bau­ern wur­den in ihrem Besitz „auf­ge­stockt“. Die Ver­mes­sun­gen dau­er­ten bis zum Febru­ar 1946 an.

Die Boden­kom­mis­si­on in Klie­ken wur­de in den ers­ten Sep­tem­ber­ta­gen 1945 gebil­det und hat­te ihre ers­te Sit­zung am 19. Sep­tem­ber. 68 Fami­li­en, vor­wie­gend kin­der­rei­che Flücht­lings­fa­mi­li­en, mel­de­ten sich, um Land zu erhal­ten.“

Quel­le: http://buro-klieken.de/DG/DG7.htm

Wei­ter heißt es dort: “Die Beson­der­heit von Klie­ken bestand dar­in, dass es kei­ne Bau­ern gab. Nur Land­ar­bei­ter, Mäg­de und Knech­te, die völ­lig von den Herr­schaf­ten der bei­den Güter abhän­gig waren, fris­te­ten ein arm­se­li­ges Dasein. Klie­ken zähl­te zu den ärms­ten Dör­fern in Sach­sen-Anhalt und war bis zum Ende des II. Welt­krie­ges der Inbe­griff für „das Ende der Welt“. Holp­ri­ge Stra­ßen mit nied­ri­gen Katen aus Lehm, Holz, Schilf und Stroh und ohne jeg­li­chen Kom­fort kenn­zeich­ne­ten über Jahr­hun­der­te das Stra­ßen­bild des Guts­dor­fes. Eine Zäh­lung der Ein­woh­ner im Som­mer 1945 ergab 345 Klie­kener. Gan­ze 6 Bür­ger besa­ßen ein Pri­vat­haus. Außer­dem exis­tier­ten zwei Gast­stät­ten, eine Schmie­de und eine Bäcke­rei […] Nach einem Bericht vom 23. Juni 1946 geht her­vor, dass zu die­sem Zeit­punkt die Ent­eig­nung bei­der Güter abge­schlos­sen war. Der Anfang für die Neu­bau­ern war auch in Klie­ken sehr schwer. Das Dorf zähl­te jetzt bereits 625 Per­so­nen, von denen 257 Umsied­ler waren […] In Klie­ken und Buro wur­den so ins­ge­samt mehr als 2.000 ha Grund und Boden mit dem dazu­ge­hö­ri­gen Wohn­häu­sern, Stal­lun­gen, Gerä­ten und Vieh ent­eig­net.

Das „Guts­haus“ in Buro wur­de abge­ris­sen und aus den gewon­nen Bau­ma­te­ria­li­en ent­stan­den soge­nann­te „Neu­bau­ern­wirt­schaf­ten“. Für die Neu­bau­ern bestand das größ­te Pro­blem in der Bespan­nung von Fuhr­wer­ken und der Bereit­stel­lung von Land­ma­schi­nen. Ersatz­tei­le fehl­ten und neue Maschi­nen gab es prak­tisch nicht. Um die­se Mise­re zu lin­dern, wur­de 1947 in Klie­ken der Maschi­nen­hof der Ver­ei­ni­gung der gegen­sei­ti­gen Bau­ern­hil­fe (VdgB) ein­ge­rich­tet. 1949 wur­de dort eine Maschi­nen­aus­leih­sta­ti­on (MAS) gegrün­det. Aus der MAS ging dann 1955 die Maschi­nen-Trak­to­ren-Sta­ti­on (MTS) her­vor, aus der sich dann der Kreis­be­trieb für Land­tech­nik (KfL) ent­wi­ckel­te. Von Anfang an waren die Maschi­nen­hö­fe der VdgB, der MAS und spä­ter die MTS eine ent­schei­den­de Hil­fe für die Bau­ern und hier ins­be­son­de­re für die Neu­bau­ern, die nur über wenig oder gar kei­ne Land­tech­nik ver­füg­ten.“

Quel­le: http://buro-klieken.de/DG/DG7.htm

Urkunde Bodenreform über die Zuteilung einer Landzulage; Verordnung zur Bodenreform und schuldenfreies Grundstück

Quel­le: Agrar­mu­se­um Oster­burg

 urkunde1 urkunde2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Entwicklung in der Landwirtschaft der DDR

In dem Zeit­raum des Über­gangs zu Land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten (LPG: sie­he Abschnitt „Land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten…..“) wur­de im Inter­es­se einer wei­te­ren Koope­ra­ti­on sowie ver­tief­ten Arbeits­tei­lung im Vor­leis­tungs­be­reich beson­ders an geeig­ne­ten Kno­ten­gü­ter­bahn­hö­fen Dienst­leis­tungs­be­trie­be in Form der Agro­che­mi­schen Zen­tren (ACZ) als zwi­schen­be­trieb­li­che Ein­rich­tun­gen der LPG, VEG, GPG und BHG (Bäu­er­li­che Han­dels­ge­nos­sen­schaf­ten, vor­mals Raiff­ei­sen­ge­nos­sen­schaf­ten) ein­ge­rich­tet, in denen zuerst der Umschlag und die Lage­rung der Dün­ge­mit­tel erfolg­te.

Spä­ter über­nah­men die­se auch die fach­ge­rech­te Lage­rung ande­rer Agro­che­mi­ka­li­en für Pflan­zen­schutz u.a. sowie deren Trans­port und Aus­brin­gung mit LKW und ande­ren selbst­fah­ren­den Umschlag­ge­rä­ten.

Übergang zu industriemäßigen Produktionsmethoden

Spä­ter hat­ten die ACZ auch die Ver­ant­wor­tung für die Orga­ni­sa­ti­on und Dis­po­si­ti­on des Ein­sat­zes der Agrar­flug­zeu­ge, die sie mit Char­ter­ver­trä­gen vom VEB Inter­flug in ihren Hal­len auf den Agrar­flug­plät­zen sta­tio­nier­ten.“

Quel­le: Aus „Bei­trä­ge der Betriebs- und Arbeits­wirt­schaft­li­chen For­schung in Sach­sen zur Ent­wick­lung der Land­wirt­schaft im 20. Jahr­hun­dert“, Leip­zi­ger Uni­ver­si­täts­ver­lag, S. 154/155

Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion

Gene­rell war der drit­te Abschnitt der Ent­wick­lung der Agrar­po­li­tik in der DDR ab 1967 durch den schritt­wei­sen Über­gang zu indus­trie­mä­ßi­gen Pro­duk­ti­ons­me­tho­den bei gleich­zei­ti­ger Kon­zen­tra­ti­on der Pro­duk­ti­on und Spe­zia­li­sie­rung der Betrie­be auf dem Wege der Koope­ra­ti­on gekenn­zeich­net.

Es kam zum Auf­bau von Koope­ra­ti­ven Abtei­lun­gen Pflan­zen­pro­duk­ti­on (KAP), die sich als Über­gang zu spe­zia­li­sier­ten LPG und VEG der Pflan­zen­pro­duk­ti­on ver­stan­den. Es voll­zog sich eine Tren­nung der Betrie­be nach Pflan­zen­pro­duk­ti­on und Tier­pro­duk­ti­on.“

Quel­le: „Zur Land­wirt­schaft der DDR und Beschrei­bung des volks­eig­nen Gutes „Tho­mas Münt­zer“, Mem­le­ben sowie der Koope­ra­ti­on Pflan­zen- und Tier­pro­duk­ti­on „Unstrut Tal“ Mem­le­ben“, S. 2

Moderns­te Tech­nik soll­te zur Inten­si­vie­rung der Pro­duk­ti­on bei­tra­gen. Ein sol­cher Flug­zeug­ein­satz ist in der Chro­nik des KfL Oschers­le­ben auf S. 27 doku­men­tiert.

Quel­le: Aus „Chro­nik KfL Oschers­le­ben 1949–1989“, 2. ergänz­te Auf­la­ge erar­bei­tet 1987–1989
 
Agrarflieger

Durch den schritt­wei­sen Über­gang zur indus­trie­mä­ßi­gen Pro­duk­ti­on in der Land­wirt­schaft soll­te gewähr­leis­tet wer­den, dass Hand­ar­beit durch Maschi­nen­ar­beit gänz­lich ersetzt wird.

Die wesent­li­chen Unter­schie­de in den Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen zwi­schen Stadt- und Land­be­völ­ke­rung soll­ten end­gül­tig besei­tigt wer­den.

Durch die Orga­ni­sa­ti­on der zwi­schen­be­trieb­li­chen Ein­rich­tun­gen waren z.B. auch Maler, Schlos­ser und Elek­tri­ker in Dienst­leis­tungs­funk­tio­nen tätig. Dies hat­te sich vor allem aus der neu­ge­stal­te­ten Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on erge­ben, wie z.B. Schicht­dienst, gere­gel­te Arbeits- und Urlaubs­zei­ten und Ein­be­zie­hung der Frau­en in die land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­ab­läu­fe.

Das mach­te wie­der­um eine Ver­sor­gung mit nicht­land­wirt­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen not­wen­dig. Die­se, wie z.B. medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, Kin­der­be­treu­ung und Kul­tur­ein­rich­tun­gen konn­ten so auch von der Dorf­be­völ­ke­rung genutzt wer­den.“

Quel­le: Aus „Ent­wick­lung der Land­wirt­schaft in der DDR und in  den neu­en Bun­des­län­dern“ http://www.referate10.com/referate/geographie/20/Die Ent­wick­lung der Land­wirt­schaft

Korrektur der Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion

Auf dem „Deut­schen Bau­ern­kon­gress“ in Ber­lin 1982 wur­de die „Wie­der­her­stel­lung der orga­ni­schen Ein­heit von Pflan­zen- und Tier­pro­duk­ti­on“ gefor­dert….

Dies hat­te zur Fol­ge, dass in den fol­gen­den Jah­ren die Spe­zia­li­sie­rung und Indus­tria­li­sie­rung  der Agrar­wirt­schaft wie­der ein­ge­schränkt wur­de.“

Quel­le: Aus „Ent­wick­lung der Land­wirt­schaft in der DDR und in  den neu­en Bun­des­län­dern“ 
http://www.referate10.com/referate/geografhie/20/Die Ent­wick­lung der Land­wirt­schaft

Sozialistischer Wettbewerb, Betriebskollektivvertrag, Kultur- und Sozialfonds, Prämienfonds

Den sozia­lis­ti­schen Wett­be­werb unter den Arbeits­kol­lek­ti­ven orga­ni­sier­te haupt­ver­ant­wort­lich der Freie Deut­sche Gewerk­schafts­bund mit sei­nen Indus­trie­ge­werk­schaf­ten und Gewerk­schaf­ten. Es ging um höhe­re Arbeits­leis­tun­gen und bes­se­re Pro­duk­ti­ons­er­geb­nis­se bei der Erfül­lung der den Betrie­ben gestell­ten Volks­wirt­schafts­plä­ne.

Den Prä­mis­sen des Marxismus/Leninismus fol­gend galt der sozia­lis­ti­sche Wett­be­werb als wich­tigs­te Form der schöp­fe­ri­schen Mas­sen­in­itia­ti­ve und der betrieb­li­chen Mit­wir­kung der Beschäf­tig­ten. In ihnen soll­te das von gegen­sei­ti­ger Hil­fe und Zusam­men­ar­beit gepräg­te Wett­ei­fern der Werk­tä­ti­gen Mit­ei­gen­tü­mer an den  ver­ge­sell­schaf­te­ten Pro­duk­ti­ons­mit­teln um die nur gemein­sam zu errei­chen­den immer höhe­ren volks­wirt­schaft­li­chen Leis­tun­gen zum Aus­druck kom­men; er stell­te somit qua­si das funk­tio­na­le Gegen­stück zur markt­wirt­schaft­li­chen Kon­kur­renz dar, die auf dem Prin­zip des mensch­li­chen Ego­is­mus beruht. Im sozia­lis­ti­schen Wett­be­werb dage­gen soll­te sich die poli­tisch- ideo­lo­gi­sche Über­zeu­gung mit der mate­ril­len Inter­es­siert­heit der Beschäf­tig­ten ver­knüp­fen, um so zu einer hohen Arbeits­mo­bi­li­sie­rung im gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Nut­zen bei­zu­tra­gen.“

Quel­le: FDGB-Lexi­kon, Ber­lin 2009; library.fes.de/FDGB-lexikon/texte/sachteil/s/Sozialistischer_Wettbewerb.html

Grundprinzipien

Vier Grund­prin­zi­pi­en galt es bei der Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung des sozia­lis­ti­schen Wett­be­wer­bes ein­zu­hal­ten:

  • Prin­zip der Öffent­lich­keit
  • Prin­zip der Ver­gleich­bar­keit der Leis­tung
  • Prin­zip der Wie­der­ho­lung der bes­ten Leis­tun­gen
  • Prin­zip der mate­ri­el­len und mora­li­schen Sti­mu­lie­rung und Aner­ken­nung hoher Leis­tun­gen

Bereits im Gesetz der Arbeit (AGB) im Jah­re 1950 waren die recht­li­chen Grund­la­gen des Wett­be­werbs fest­ge­legt und stell­ten seit­her einen fes­ten Bestand­teil des Arbeits­rech­tes dar.

Die Kern­auf­ga­ben des Wett­be­werbs waren:

  • Stei­ge­rung der Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät
  • Sen­kung der Selbst­kos­ten
  • Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät
  • Durch­set­zung von Mög­lich­kei­ten der Ratio­na­li­sie­rung und Inten­si­vie­rung durch wis­sen­schaft­lich-tech­ni­schen Fort­schritt
  • Ver­bes­se­rung der all­ge­mei­nen Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen

 

Zu den viel­fäl­ti­gen For­men der Wett­be­werbs­füh­rung gehör­ten die Akti­vis­ten­be­we­gung, die Neurer­be­we­gung sowie die „Bri­ga­den der sozia­lis­ti­schen Arbeit“. Der Wett­be­werb wur­de sowohl zwi­schen den Betrie­ben als auch zwi­schen den ein­zel­nen Berufs­grup­pen geführt. So wur­den die Leis­tun­gen z.B. der Mel­ker­kol­lek­ti­ve, Tier­züch­ter, Trak­to­ris­ten usw. gewer­tet und ent­spre­chend der erreich­ten Ergeb­nis­se gewür­digt.

Ehrenwimpel zur Auszeichnung im Wettbewerb

Quel­le: Archiv des Bezirks­vor­stan­des der Gewerk­schaft Land, Nah­rungs­gü­ter und Forst, Mag­de­burg

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Wimpel4




 

 

Einfluss der SED

Der Ein­fluss der jewei­li­gen Par­tei­lei­tun­gen auf Betriebs-, Kreis- und Bezirks­ebe­ne auf die Wett­be­werbs­füh­rung wird am fol­gen­den Bei­spiel auf­ge­zeigt:

Im Kreis Hal­dens­le­ben erleb­te der Wett­be­werb ab Mit­te der 50er Jah­re eine zuvor nicht gekann­te Aus­wei­tung. Sämt­li­che MTS, VEG, LPG sowie eine grö­ße­re Zahl von Gemein­den und werk­tä­ti­ge Ein­zel­bau­ern erklär­ten ihre Teil­nah­me. Zumeist aller­dings nicht aus eige­nem Antrieb, son­dern auf Initia­ti­ve der KL (Kreis­lei­tung der SED) hin. Hier­an wird ein Grund­pro­blem des Füh­rungs­stils der Par­tei­füh­rung deut­lich: Miss­trau­en gegen alles Spon­ta­ne und Füh­rung des Wett­be­werbs von oben nach unten statt umge­kehrt. Das galt gleich­falls für die Indus­trie.

Um die Bestell­ar­bei­ten im Kreis Hal­dens­le­ben so zei­tig wie mög­lich abzu­schlie­ßen, rief die Gemein­de Cal­vör­de die umlie­gen­den Gemein­den und die dort ansäs­si­gen LPG im Früh­jahr 1956 zum Wett­be­werb auf. Nach der Ver­öf­fent­li­chung des Auf­rufs in der Pres­se schlos­sen sich alle Gemein­den und LPG der Bewe­gung an. Die Betei­li­gung blieb unter­schied­lich. Im Gegen­satz zu den Gemein­den Wal­beck und Wedrin­gen, die angeb­lich eine gute, jedoch nicht bezif­fer­te Betei­li­gung am Wett­streit auf­wie­sen, lag sie in Bre­gen­stedt und Eve­rin­gen unter 10 %. Fol­gen­de Kri­te­ri­en lagen dem Wett­be­werb zugrun­de:

  • Durch­füh­rung der Früh­jahrs­be­stel­lung nach dem Fließ­sys­tem zu den agro­tech­nisch güns­tigs­ten Ter­mi­nen;
  • Anwen­dung von Neuer­erme­tho­den pro­zen­tu­al zur Gesamt­an­bau­flä­che;
  • Bil­dung von Stän­di­gen AG und Abschluss von Sam­mel­ar­beits­ver­trä­gen mit die­sen.

 

Der Wett­be­werb soll­te täg­lich aus­ge­wer­tet, aber nicht for­mal geführt wer­den. Mit der Popu­la­ri­sie­rung der bes­ten Ergeb­nis­se in der Lokal­pres­se glaub­ten die KL und die Abtei­lung Land­wirt­schaft wei­te­re Wett­be­werbs­ak­ti­vi­tä­ten aus­lö­sen zu kön­nen.

Wie aus einem Bericht der Abtei­lung Land­wirt­schaft vom Som­mer 1956 her­vor­geht, sei es den LPG durch ver­bes­ser­te Zusam­men­ar­beit mit den staat­li­chen Orga­ne gelun­gen, gute, aber im Detail nicht näher defi­nier­te Wett­be­werbs­er­geb­nis­se zu erzie­len. […]

Der Wett­be­werb der MTS kam im Jah­re 1956 von Sta­ti­on zu Sta­ti­on, Bri­ga­de zu Bri­ga­de und Trak­to­rist zum Trak­to­rist zur Aus­tra­gung. Wäh­rend der Ern­te­ar­bei­ten des Som­mers 1956 fand er kei­ne Fort­set­zung in sei­ner bis­he­ri­gen Form. Im Gegen­satz zu den Vor­mo­na­ten unter­blie­ben die öffent­li­che Aus­wer­tung sowie die Über­mitt­lung der Ergeb­nis­se an die Pres­se. Im Som­mer und Herbst 1956 betei­lig­ten sich alle MTS und VEG des Krei­ses am Wett­be­werb zur raschen Ber­gung der Halm- und Hack­fruch­tern­te. Unter Abga­be per­sön­li­cher Ver­pflich­tun­gen nah­men sämt­li­che Mäh­dre­scher­be­sat­zun­gen der MTS und VEG am Wett­be­werb auf Bezirks­ebe­ne teil, der unter dem Mot­to „Wer wird Trä­ger des gel­ben und blau­en Tri­kots“ in drei Etap­pen zur Aus­tra­gung gelang­te. […]

Am Wett­be­werb des Jah­res 1956 betei­lig­ten  sich nach bestän­di­ger Agi­ta­ti­on durch Instruk­teur­bri­ga­den der KL und der Abtei­lung Land­wirt­schaft 61 % der werk­tä­ti­gen Ein­zel­bau­ern. […]

Die Wett­be­wer­be in der Land­wirt­schaft des Krei­ses Hal­dens­le­ben krank­ten an ver­schie­de­nen Män­geln, ein­heit­li­che Kri­te­ri­en blie­ben anfäng­lich die Aus­nah­me. Nach Ansicht des Büros der KL fehl­te die ein­deu­ti­ge For­de­rung nach Erfül­lung der staat­li­chen Plä­ne. Es emp­fahl, statt „Gere­des über Ver­pflich­tun­gen für den Wett­be­werb soll­te man einen rich­ti­gen mate­ri­el­len Anreiz schaf­fen, um das Inter­es­se dafür zu erwe­cken.“ Das Büro der SED-KL for­der­te: „Nicht das Aus­fül­len der Wett­be­werbs­hef­te soll­te dabei ent­schei­dend sein, son­dern die Pro­duk­ti­ons­leis­tung.“ Jeder Bau­er müs­se stets wis­sen, wo er im Wett­be­werb und der pro-Hekt­ar-Leis­tung ste­he. Zur Gewähr­leis­tung des­sen sei es erfor­der­lich, an gut sicht­ba­rer Stel­le Leis­tungs­ta­feln anzu­brin­gen. […]“

Quel­le: „Die Her­aus­bil­dung der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten der DDR, dar­ge­stellt an der Ent­wick­lung des Krei­ses Wanz­le­ben, Bezirk Mag­de­burg (1952–1960)“, Dis­ser­ta­ti­on, ein­ge­reicht 09. Febru­ar 1999 von Diplom­his­to­ri­ker Wolf­gang Mah­lich, an der Land­wirt­schaft­lich-gärt­ne­ri­schen Fakul­tät der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin;
http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/mahlich-wolfgang-1999–06-25/PDF/Mahlich.pdf

Ulbricht und Stoph an Werktätige der VEG’n und Mastanstalten

In einem Brief des ers­ten Sekre­tärs des Zen­tral­ko­mi­tees der SED, Wal­ter Ulb­richt und des ers­ten Stell­ver­tre­ters des Vor­sit­zen­den des Minis­ter­ra­tes, Wil­li Stoph am 02. Janu­ar 1963, wand­te sich die Par­tei- und Staats­füh­rung an alle Werk­tä­ti­gen der Volks­ei­ge­nen Güter und Mast­an­stal­ten mit Hin­wei­sen zur Füh­rung des sozia­lis­ti­schen Wett­be­wer­bes.

Hier­bei wird beson­ders dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass „[…] man den sozia­lis­ti­schen Wett­be­werb nicht kom­pli­zie­ren darf. Sei­ne Grund­re­gel ist, dass alle Werk­tä­ti­gen der VEG und der Mast­an­stal­ten den Plan und ihren eige­nen Anteil dar­an erken­nen, dass sie stän­dig Gele­gen­heit haben zu über­prü­fen, wie der Betriebs­plan durch sie selbst und durch alle Werk­tä­ti­gen ihrer Betrie­be erfüllt wird. […]

Ein wich­ti­ger Hebel für die Stei­ge­rung der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on ist der mate­ri­el­le Anreiz. Jetzt gilt es, alle Arbei­ter, Spe­zia­lis­ten, Bri­ga­die­re in der Feld- und Vieh­wirt­schaft, und die lei­ten­den Wirt­schafts­ka­der der VEG an der Erhö­hung der Pro­duk­ti­on mate­ri­ell zu inter­es­sie­ren.

Wer viel Milch, Fleisch und Eier pro­du­ziert, soll hohe Prä­mi­en erhal­ten. […]!“

Brief-des-Zentralkomitees

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Quel­le: Brief des Zen­tral­ko­mi­tees der Sozia­lis­ti­schen Ein­heits­par­tei Deutsch­lands und des Minis­ter­ra­tes der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik an alle Werk­tä­ti­gen der volks­ei­ge­nen Güter und Mast­an­stal­ten vom 02. Janu­ar 1963

Bedeutung der BKV

Der Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trag (BKV) spiel­te zur Fest­le­gung der Ver­pflich­tun­gen bei der Erfül­lung der Betriebs­plä­ne und bei der Gestal­tung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen eine ent­schei­den­de Rol­le. Er wur­de all­jähr­lich zwi­schen der Betriebs­lei­tung und der Betriebs­ge­werk­schafts­lei­tung (BGL) als gesetz­li­cher Ver­tre­ter des Betriebs­kol­lek­tivs aller Werk­tä­ti­gen abge­schlos­sen.

Anders als bei den Betriebs­ver­ein­ba­run­gen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die nach dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz auf der Basis von Tarif­au­to­no­mie abge­schlos­sen wer­den, war die Gestal­tungs­frei­heit der ver­trags­schlie­ßen­den Par­tei­en im Fal­le der Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trä­ge durch staat­li­che Plan­auf­la­gen und vor allem durch die staat­lich sank­tio­nier­ten Rah­men­kol­lek­tiv­ver­trä­ge (RKV) für die ein­zel­nen Bran­chen — so z.B. für die Lohn­po­li­tik — stark ein­ge­schränkt.

Rahmenkollektivverträge

So schrieb der Rah­men­kol­lek­tiv­ver­trag (RKV) über die Arbeits- und Lohn­be­din­gun­gen der Werk­tä­ti­gen der Volks­ei­ge­nen Güter (VEG) vom 23. Dezem­ber 1964 unter IV. „Lohn­for­men Feld­wirt­schaft“ fol­gen­de Ent­loh­nun­gen und Ein­stu­fun­gen vor (Aus­zug):

Rahmenkollektivvertrag Quel­le: Pri­vat­ei­gen­tum Fami­lie Mül­ler / Bretsch

Für den FDGB und sei­ne Indus­trie­ge­werk­schaf­ten und Gewerk­schaf­ten soll­te der BKV im Wesent­li­chen ein Instru­ment zur Mobi­li­sie­rung im Rah­men des sozia­lis­ti­schen Wett­be­werbs dar­stel­len. Neben den Ver­pflich­tun­gen zur Plan­erfül­lung ent­hiel­ten die BKV auch eini­ge lohn­recht­li­che Bestim­mun­gen, die aus den Rah­men­kol­lek­tiv­ver­trä­gen abge­lei­tet waren (z.B. Ein­grup­pie­rungs­fra­gen). In der Bro­schü­re „Aus­künf­te zum BKV“, her­aus­ge­ge­ben vom Ver­lag Tri­bü­ne Ber­lin 1986 wird der BKV „[…] als ein wich­ti­ges Instru­ment der sozia­lis­ti­schen Demo­kra­tie, der Gewerk­schafts­ar­beit und der staat­li­chen Lei­tungs­tä­tig­keit bezeich­net, das die unmit­tel­ba­re Teil­nah­me der Werk­tä­ti­gen an der Lei­tung und Pla­nung des Betrie­bes sichert. […]“

Quel­le: Aus­künf­te zum BKV, Heinz Sell­hei­er, Ver­lag Tri­bü­ne Ber­lin 1986, Sei­te 5

Inhaltliche Schwerpunkte der BKV

Im glei­chen Doku­ment sind acht inhalt­li­che Schwer­punk­te des BKV auf­ge­führt:

  • Die Ent­wick­lung und För­de­rung der schöp­fe­ri­schen Initia­ti­ve der Werk­tä­ti­gen
  • Die Durch­set­zung des sozia­lis­ti­schen Leis­tungs­prin­zips bei Lohn und Prä­mie
  • Die Ver­bes­se­rung der mate­ri­el­len Arbeits­be­din­gun­gen der Werk­tä­ti­gen und des Inhalts der Arbeit
  • Die Siche­rung und Ent­wick­lung der gesund­heit­li­chen und sozia­len Betreu­ung der Werk­tä­ti­gen
  • Die För­de­rung der all­sei­ti­gen Bil­dung der Werk­tä­ti­gen
  • Die Ent­wick­lung des geis­tig-kul­tu­rel­len und sport­li­chen Lebens
  • Der Frau­en­för­de­rungs­plan
  • Die Ver­wen­dung der Mit­tel des Kul­tur- und Sozi­al­fonds sowie des Leis­tungs­fonds zur Ent­wick­lung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Werk­tä­ti­gen […]

 

Alle län­ger­fris­tig gel­ten­den Rege­lun­gen zu den ein­zel­nen Kom­ple­xen sind in der Anla­ge zum BKV auf­zu­neh­men. Bei der Gestal­tung der Anla­ge ist dar­auf zu ach­ten, dass die Lis­te über den arbeits­be­ding­ten Zusatz­ur­laub gemäß § 191 AGB und die Lis­te über die Erschwer­nis­zu­schlä­ge nach § 112 AGB unbe­dingt dort hin­ein­ge­hö­ren.“

Quel­le: Aus­künf­te zum BKV, Heinz Sell­hei­er, Ver­lag Tri­bü­ne Ber­lin 1986, S.17

Sozialpolitik in Betrieben

Die umfang­rei­che sozia­le Kom­po­nen­te in den Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trä­gen wird u.a. dadurch deut­lich, dass unter dem Schwer­punkt „Siche­rung und Ent­wick­lung der gesund­heit­li­chen und sozia­len Betreu­ung der Werk­tä­ti­gen“ Maß­nah­men zur Gesund­heits­auf­klä­rung und -erzie­hung sowie zur Wer­bung von bei­tritts­be­rech­tig­ten Werk­tä­ti­gen für die Frei­wil­li­ge Zusatz­ren­ten­ver­si­che­rung, Auf­ga­ben zur Ver­voll­komm­nung der Kin­der­be­treu­ung in Kin­der­krip­pen und Kin­der­gär­ten, Maß­nah­men zur Erhö­hung des Niveaus, zur Erwei­te­rung der Plät­ze, zur Teil­nah­me und vol­len Aus­las­tung der betrieb­li­chen Kin­der­fe­ri­en­la­ger, Zie­le zur Erhal­tung und Ver­bes­se­rung der Wohn­be­din­gun­gen der Werk­tä­ti­gen, ins­be­son­de­re in den werks­ei­ge­nen Woh­nun­gen, Arbei­ter­wohn­hei­men und Unter­künf­ten sowie die dif­fe­ren­zier­te mate­ri­el­le und finan­zi­el­le Unter­stüt­zung von Werk­tä­ti­gen zur Ver­bes­se­rung ihres Wohn­ver­hält­nis­ses z.B. beim Um- und Aus­bau von Woh­nun­gen ent­hal­ten sind.

Wei­ter­hin sind kla­re Auf­ga­ben auf­zu­neh­men zur Erhal­tung und zum Aus­bau der vor­han­de­nen Erho­lungs­ein­rich­tun­gen und zur Ver­ga­be und effek­ti­ven Aus­las­tung der Plät­ze sowie zur Ver­bes­se­rung der Urlau­ber­be­treu­ung und über die Prei­se und Zuschüs­se für einen Feri­en­platz in betrieb­li­chen Erho­lungs­ein­rich­tun­gen.

Es sind Fest­le­gun­gen zur För­de­rung der all­sei­ti­gen Bil­dung der Werk­tä­ti­gen und Ver­pflich­tun­gen zur ziel­ge­rich­te­ten Erwach­se­nen­bil­dung sowie zur beruf­li­chen Wei­ter­bil­dung und zur Gewin­nung jun­ger Fach­ar­bei­ter für ein Stu­di­um an Hoch- und Fach­schu­len zu ver­ein­ba­ren.

Im Rah­men der Auf­ga­ben zur Ent­wick­lung des geis­tig-kul­tu­rel­len und sport­li­chen Lebens geht es u.a. um För­de­rung des künst­le­ri­schen Volks­schaf­fens, um die Ver­tie­fung der Zusam­men­ar­beit der Arbei­ter­kol­lek­ti­ve und Künst­lern, Ver­ga­be von Auf­trä­gen für neue Kunst­wer­ke und die För­de­rung der Kunst­dis­kus­si­on sowie die Gewähr­leis­tung der För­de­rung des Frei­zeit- und Erho­lungs­sports und des Kin­der und Jugend­sports.

Mehrzweckeinrichtung-Altenweddingen

Quel­le: „Mehr­zweck­ein­rich­tung Alten­wed­din­gen“, Hei­mat­stu­be Schwa­ne­berg

Frauenförderungsplan

Im Frau­en­för­de­rungs­plan sind Maß­nah­men ver­an­kert, die die Mit­wir­kung der Frau­en an der Lei­tung und Pla­nung des Betrie­bes sichern sol­len und die die ziel­ge­rich­te­te För­de­rung der poli­ti­schen Bil­dung und beruf­li­chen Aus- und Wei­ter­bil­dung sowie ihres qua­li­fi­ka­ti­ons­ge­rech­ten Ein­sat­zes die­nen. Wei­te­re Auf­ga­ben sind fest­ge­legt zur Aus­ge­stal­tung der gesund­heit­li­chen Betreu­ung der Frau­en und Müt­ter, ins­be­son­de­re durch pro­phy­lak­ti­sche Maß­nah­men, gynä­ko­lo­gi­sche Rei­hen­un­ter­su­chun­gen sowie vor­ran­gi­ge Ver­ga­be von Kuren an Müt­ter meh­re­rer Kin­der und zur sozia­len Betreu­ung der Frau­en wäh­rend des Schwan­ger­schaft- und Wochen­ur­laubs sowie die wäh­ren der gesetz­lich gere­gel­ten Frei­stel­lung nach dem Wochen­ur­laub.

Im Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trag des VEG (Z) Tier­zucht Bretsch/Priemern sind Ver­pflich­tun­gen des Direk­tors und der Betriebs­ge­werk­schafts­lei­tung ent­hal­ten, die den berufs­tä­ti­gen Müt­tern garan­tie­ren, dass ihre Kin­der in einen Kin­der­gar­ten bzw. einer Kin­der­krip­pe unter­ge­bracht wer­den. Wei­ter­hin wird sie­ben Kol­le­gin­nen aus den Berei­chen der Rin­der­zucht, der Schwei­ne­zucht und des tech­ni­schen Per­so­nals die Mög­lich­keit zur Qua­li­fi­zie­rung zum Fach­ar­bei­ter für Rin­der­zucht gewähr­leis­tet. In Abspra­che mit der Wäsche­rei in Oster­burg wird im Betrieb eine zen­tra­le Annah­me­stel­le ein­ge­rich­tet, um den Frau­en die Mög­lich­keit zu geben, auf bequems­tem Wege ihre Wäsche gewa­schen und schrank­fer­tig wie­der zurück zu erhal­ten.

Quel­le: BKV 1971 des VEG (Z) Tier­zucht Bretsch/Priemern, S. 3 des Frau­en­för­de­rungs­pla­nes

Kultur- und Sozialfonds

Der Kul­tur- und Sozi­al­fonds (K-u-S-Fonds) dien­te der Ver­bes­se­rung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen. Er wur­de mit der Ver­ord­nung über den betrieb­li­chen Prä­mi­en­fonds sowie den KuS-Fonds 1957 ein­ge­führt. Nach § 237 AGB vom 12. April 1977 war es ein zweck­ge­bun­de­ner finan­zi­el­ler Fonds, des­sen Mit­tel zur För­de­rung kul­tu­rel­ler und sport­li­cher Akti­vi­tä­ten im Betrieb sowie der sozia­len Betreu­ung der Beschäf­tig­ten zu ver­wen­den waren.

U.a. wur­den hier Ver­pflich­tun­gen für sozia­le, kul­tu­rel­le und sport­li­che Ein­rich­tun­gen, Zuschüs­se für die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen im Betrieb (finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für die Arbei­ter­ver­sor­gung, die gesund­heit­li­che und sozia­le Betreu­ung sowie zur För­de­rung des geis­tig-kul­tu­rel­len und sport­li­chen Lebens) sowie Limits für Spei­sen und Geträn­ke bei betrieb­li­chen Ver­an­stal­tun­gen detail­liert auf­zu­schlüs­seln. Wei­ter­hin wur­de er ver­wand für die betrieb­li­chen Ein­rich­tun­gen der Berufs­bil­dung.

Verwendung des K-u-S-Fonds

Im Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trag des VEG (Z) Tier­zucht Bretsch/Priemern vom Jah­re 1971 ist unter Punkt 5 die „Ver­wen­dung des Kul­tur- und Sozi­al­fonds“ ent­hal­ten. Hier­in wer­den Fest­le­gun­gen für den Besuch erkrank­ter Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen (Betrag von ca. 15,00 Mark) und für die Über­rei­chung eines Prä­sent­kor­bes zu run­den Geburts­ta­gen von 50,00 Mark bis 85,00 Mark fest­ge­schrie­ben. Kin­der der Beleg­schaft, die zum Haus­halt gehö­ren, haben bis zur Voll­endung des 14. Lebens­jah­res einen Geschenk­gut­schein im Wer­te von 15,00 Mark zur Weih­nachts­fei­er erhal­ten und Kin­der, die die Jugend­wei­he bege­hen, erhiel­ten ein Blu­men­prä­sent von 25,00 Mark. Bei sozia­lis­ti­schen Ehe­schlie­ßun­gen und Trau­un­gen wer­den Geschen­ke im Wer­te von 100,00 Mark über­reicht. Zur Sil­ber­nen Hoch­zeit und zur Gol­de­nen Hoch­zeit erhal­ten die betref­fen­den Kol­le­gen 100,00 Mark. Zur Aus­ge­stal­tung der tra­di­tio­nel­len Ern­te­kro­ne und des Ern­te­fes­tes wer­den 6.500,00 Mark zur Ver­fü­gung gestellt und zum 25-jäh­ri­gen Betriebs­ju­bi­lä­um wer­den 75,00 Mark und alle wei­te­ren fünf Jah­re wird ein Prä­sent im Wer­te von 175,00 Mark über­reicht.

Quel­le: Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trag 1971 des VEG (Z) Tier­zucht Bretsch/Priemern, S. 14 und 15 

Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen

Unter dem Abschnitt „Ver­bes­se­rung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Werk­tä­ti­gen“ sind viel­fäl­ti­ge Maß­nah­men ent­hal­ten. So z.B.:

  • Vor­beu­gen­de Maß­nah­men zur Sen­kung des Kran­ken­stan­des
  • Ver­bes­se­rung der Wohn­kul­tur und Rekon­struk­ti­on von zwei Woh­nungs­ein­hei­ten sowie vier wei­te­ren alten Woh­nungs­ein­hei­ten durch moder­nen Wie­der­auf­bau
  • Für 12 Woh­nungs­ein­hei­ten Neu­bau­woh­nun­gen wird der Bau von Stal­lun­gen für die indi­vi­du­el­le Vieh­hal­tung zuge­sagt und 20 Gara­gen für Mit­ar­bei­ter wur­den geplant.

 

Wei­te­re Abschnit­te betref­fen die Ver­sor­gung der Beleg­schafts­mit­glie­der mit Betriebs­kü­chen­es­sen und die gesund­heit­li­che und sozi­al­hy­gie­ni­sche Betreu­ung  sowie die Kin­der­be­treu­ung und die kul­tu­rel­le Betreu­ung aller Betriebs­mit­glie­der. Umfang­rei­che Maß­nah­men wur­den bezüg­lich des Feri­en- und Erho­lungs­we­sens fest­ge­legt.

Quel­le: Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trag 1971 des VEG (Z) Tier­zucht Bretsch/Priemern, S. 15ff

 

Inhalte eines BKV von 1957

KBV1 KBV2

 
Quel­le: Hrsg. am 25. Novem­ber 1957 vom Minis­te­ri­um für Land- und Forst­wirt­schaft; HV Forst­wirt­schaft

Die Viel­fäl­tig­keit der Arbeit mit dem Kul­tur- und Sozi­al­fonds im Rah­men des BKV  wird u.a. auch aus der Chro­nik des VEG Pflan­zen­pro­duk­ti­on Schwa­ne­berg von 1945–1985, in der eine gan­ze Rei­he von Maß­nah­men in Umset­zung des Kul­tur- und Sozi­al­fonds geschil­dert wer­den, deut­lich.

Urlaubs- und Ferienwesen

So wird über die Ent­wick­lung des Urlaub- und Feri­en­we­sens berich­tet. Im Jah­re 1972 wur­de in Bal­len­stedt im Harz das ers­te betriebs­ei­ge­ne Feri­en­heim aus­ge­baut, in dem jeweils 28 Per­so­nen ganz­jäh­rig Urlaub ver­brin­gen kön­nen. Drei Jah­re spä­ter wird im Ost­see­bad Nien­ha­gen ein wei­te­res Objekt für die Urlaubs­be­treu­ung aus­ge­baut. Dort ste­hen 51 Plät­ze in einem Heim zur Ver­fü­gung, wel­ches direkt am Was­ser steht und idea­le Urlaubs­be­din­gun­gen bie­tet. Dar­über hin­aus  steht den Betriebs­an­ge­hö­ri­gen und ihren Fami­li­en Feri­en­ein­rich­tun­gen in Wol­gast, Kreis Havel­berg, Wer­ni­ge­ro­de, Harz und Doksy/CSSR zur Ver­fü­gung. Regel­mä­ßig fand ein Urlau­be­r­aus­tausch mit bis zu 40 Per­so­nen mit einem unga­ri­schen Betrieb in Bala­tons­zar­zo statt. 1976 wur­de ein wei­te­rer Urlau­be­r­aus­tausch mit Korycany/CSSR begon­nen. Die Benut­zung der Feri­en­ein­rich­tun­gen (außer Ost­see) war für Betriebs­an­ge­hö­ri­ge kos­ten­frei!

Kinderferienlager

Seit 1975 wur­de ein Kin­der­fe­ri­en­la­ge­r­aus­tausch mit einem Staats­gut in der CSSR durch­ge­führt und 30 Kin­der sind für 2 Wochen im Aus­tausch in die CSSR gefah­ren.

Betriebsküchen

Die Ver­sor­gung der Land­ar­bei­te­rin­nen und Land­ar­bei­ter in zwei Betriebs­kü­chen wur­de gesi­chert. In Schwa­ne­berg gab es bis 1967 nur eine klei­ne Küche und zwei klei­ne Ess­räu­me im Kel­ler des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des. Bereits 1967 wur­de der neue Küchen­trakt mit dem Kul­tur­raum in Betrieb genom­men und es wur­de für 200Personen gekocht. Für die Ver­sor­gung der Kol­le­gen zahl­te der Betrieb jähr­lich 320 Mark pro Mit­ar­bei­ter für die bei­den Betriebs­kü­chen als Zuschuss aus dem K-u-S-Fonds.

Kultur

Die Chro­nik schil­dert auch umfang­reich das kul­tu­rel­le Leben, was eben­falls im Wesent­li­chen mit Mit­teln des K-u-S-Fonds finan­ziert wur­de. 1972 wur­de der gemisch­te Schwa­ne­ber­ger Chor/Altenweddingen gebil­det, dem über 30 Mit­glie­der ange­hör­ten. Wei­ter­hin wur­den drei Kapel­len unter­stützt. Der Betrieb beauf­trag­te u.a. den Natio­nal­preis­trä­ger Bild­hau­er Herrn Hein­rich Apel aus Mag­de­burg mit der Erstel­lung von Bron­ze­plas­ti­ken, die in bei­den Orten auf­ge­stellt wur­den.

Kindergärten

Von 1971 – 1974 wur­den Koope­ra­ti­ons­sport­fes­te in Schwa­ne­berg durch­ge­führt. Der Betriebs­kin­der­gar­ten des VEG ein­schließ­lich Kin­der­krip­pe wur­de eben­falls aus dem K-u-S-Fonds unter­stützt. Er hat­te von 06.30 – 17.00 Uhr geöff­net. Allein im Jah­re 1984 unter­stütz­te das VEG die bei­den Kin­der­gär­ten mit 22.660 Mark. Die Ein­rich­tun­gen wur­den durch Betriebs­kü­chen mit Essen und Geträn­ken ver­sorgt, wo für die Kin­der der Betriebs­an­ge­hö­ri­gen nur 0,50 Mark/Tag und 0,10 Mark/Tag für die Trink­milch zuge­zahlt wer­den muss­ten.

Prämienfonds

In der DDR war die Prä­mie ein wich­ti­ger Bestand­teil des Arbeits­ein­kom­mens der Werk­tä­ti­gen. In der Bro­schü­re „Die Arbeit mit dem Prä­mi­en­fonds“, her­aus­ge­ge­ben vom Ver­lag Tri­bü­ne Ber­lin 1984 wird for­mu­liert „[…] spielt die per­sön­li­che mate­ri­el­le Inter­es­siert­heit der Werk­tä­ti­gen eine ent­schei­den­de Rol­le. Die­se per­sön­li­che mate­ri­el­le Inter­es­siert­heit wird vor allem über das Arbeits­ein­kom­men wirk­sam. Es stellt sich zunächst dar als Ein­heit von Lohn und Prä­mie. Arbeits­lohn und Prä­mie sind die Haupt­be­stand­tei­le des Arbeits­ein­kom­mens der Werk­tä­ti­gen, wenn auch zum Arbeits­ein­kom­men noch wei­te­re Bestand­tei­le gehö­ren, […] Die Prä­mie […] ist Teil des Arbeits­ein­kom­mens, der die sti­mu­lie­ren­de Funk­ti­on des Loh­nes ergän­zen soll.“

Quel­le: „Die Arbeit mit dem Prä­mi­en­fonds, Wer­ner Rog­ge, Ver­lag Tri­bü­ne Ber­lin 1984, S. 4

Verwendung des Prämienfonds

In den Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trä­gen wur­den Ver­ein­ba­run­gen über die Ver­wen­dung des Prä­mi­en­fonds getrof­fen. In der Regel sind rund 70 % des Prä­mi­en­fonds für die Jah­res­end­prä­mie und unge­fähr 30 % für die ande­ren Prä­mi­en­for­men ein­ge­setzt wor­den.

Die Betriebs­ge­werk­schafts­lei­tun­gen hat­ten die Ver­pflich­tung, den Werk­tä­ti­gen und den Kol­lek­ti­ven die betrieb­li­chen Prä­mi­en­re­ge­lun­gen zu erläu­tern und dafür zu sor­gen, dass die Werk­tä­ti­gen und Kol­lek­ti­ve unmit­tel­bar in die Aus­ar­bei­tung und Ver­wirk­li­chung der betrieb­li­chen Prä­mi­en­re­ge­lun­gen ein­be­zo­gen, dass ihre Vor­schlä­ge gewis­sen­haft geprüft und beach­tet wer­den. Zur Anwen­dung des Betriebs­prä­mi­en­fonds ist im BKV des VEG (Z) Tier­zucht Bretsch/Priemern 1971 fest­ge­legt, dass zur Zah­lung der Jah­res­end­prä­mie ca. 105.000 Mark und zur Zah­lung von Kol­lek­tiv­prä­mi­en anläss­lich einer Aus­zeich­nung ca. 7.000 Mark ver­wen­det wer­den. Für Ziel­prä­mi­en, für Schwer­punkt­auf­ga­ben wer­den wei­te­re 10.000 Mark zur Ver­fü­gung gestellt.

Quel­le: Betriebs­kol­lek­tiv­ver­trag 1971 des VEG (Z) Tier­zucht Bretsch/Priemern, S. 11

Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) und Volkseigene Güter (VEG)

Bereits auf der 2. Par­tei­kon­fe­renz der SED im Juli 1952 wur­de die Kol­lek­ti­vie­rung der Land­wirt­schaft beschlos­sen. Auf völ­lig frei­wil­li­ger Basis soll­ten sich Land­ar­bei­ter und Bau­ern in Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten zusam­men­schlie­ßen und dafür Unter­stüt­zung erhal­ten. Das Echo dar­auf war sehr ver­hal­ten. Bau­ern, die vor weni­gen Jah­ren erst Land erhal­ten hat­ten und mit gro­ßen Mühen ver­such­ten, aus ihrem Besitz etwas zu machen, dach­ten oft über­haupt nicht dar­an, die­sen Besitz wie­der her­zu­ge­ben. Freie und unab­hän­gi­ge Bau­ern gab es eigent­lich nicht, denn jeder bäu­er­li­chen Wirt­schaft wur­de in Abhän­gig­keit von der Betriebs­grö­ße eine Pflicht­ab­ga­be, das soge­nann­te Soll, vom Staat vor­ge­schrie­ben. Die­se Rege­lung war nur für klei­ne Wirt­schaf­ten von Vor­teil, weil sie ein ver­gleichs­wei­se gerin­ges Soll zu erbrin­gen hat­ten. Sie konn­ten ihre land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­te, die sie über ihre Zwangs­ab­ga­be pro­du­ziert hat­ten, als soge­nann­te „Freie Spit­ze“ zu deut­lich höhe­ren Prei­sen ver­kau­fen. Die grö­ße­ren Betrie­be hat­ten oft erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten, ihr vor­ge­ben­des Pla­n­ab­lie­fe­rungs­soll zu errei­chen. So wur­de sei­tens der Macht­ha­ber Druck auf die Bau­ern aus­ge­übt und kon­ti­nu­ier­lich erhöht. Mit Pro­pa­gan­da­ak­tio­nen vor den Höfen und Agi­ta­ti­ons­grup­pen wur­den die „wider­spens­ti­gen Bau­ern“ für die Genos­sen­schaft „über­zeugt“. Eine wirk­li­che demo­kra­ti­sche Dis­kus­si­on über das Für und Wider kam nicht in Betracht.“

Quel­le: „Geschich­te von Buro und Klie­ken, Teil 7“ http://Buro-Klieken.de/DG/DG7.htm

Politischer und sozialer Druck auf die Bauern

Die LPG’en wur­den in einer Grün­dungs­ver­samm­lung errich­tet, muss­ten sich ein Sta­tut nach gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nem Mus­ter­sta­tut geben und wur­den durch staat­li­che Orga­ne bestä­tigt. Mit­glied einer LPG konn­ten nicht nur die Bau­ern mit eige­ner Wirt­schaft wer­den, son­dern auch Land­ar­bei­ter und ande­re Bür­ger.

Drei Typen von LPG’en

Es wur­den zunächst drei ver­schie­de­ne Typen von LPG’en gebil­det. (Typ I, Typ II und Typ III). Je nach Typ wur­den von den Bau­ern dabei ihr Boden (I), dazu ihre Maschi­nen (II) und dazu der gesam­te land­wirt­schaft­li­che Besitz mit Vieh, Maschi­nen und Gebäu­den (III) in die Genos­sen­schaft ein­ge­bracht. Die Bau­ern muss­ten dar­über hin­aus Bar­geld ein­brin­gen (Inven­tar­bei­trag). LPG des Typs III war zunächst sel­ten, weil es an aus­rei­chend gro­ßen Stal­lun­gen man­gel­te. Vie­le LPG’en wan­del­ten sich erst spä­ter, oft­mals unter Druck von Par­tei und Staat, von Typ I oder II in den dann domi­nie­ren­den Typ III um.

Druck auf Bauern verstärkt sich

Auf die Bau­ern wur­de ins­be­son­de­re Ende der 1950er Jah­re zuneh­mend erheb­li­cher Druck aus­ge­übt, sich einer meist noch unwirt­schaft­li­chen LPG anzu­schlie­ßen. Die Ein­zel­bau­ern­wirt­schaf­ten wur­den bei der Maschi­nen­aus­lei­he durch die Maschi­nen-Aus­leih-Sta­tio­nen (MAS), spä­ter Maschi­nen-Trak­to­ren-Sta­tio­nen (MTS) sys­te­ma­tisch benach­tei­ligt, so dass das Abga­ben­soll, die Ver­pflich­tung zur Lie­fe­rung einer bestimm­ten Men­ge an land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ten, immer schwe­rer zu erfül­len war. Zahl­rei­che Bau­ern sind nach der 2. Par­tei­kon­fe­renz der SED 1952 bis zum Mau­er­bau 1961 aus der DDR geflo­hen, um nicht Mit­glied der LPG wer­den zu müs­sen. Ihre Betrie­be wur­den zunächst von den staat­li­chen ört­li­chen Land­wirt­schafts­be­trie­ben (ÖLB) ver­wal­tet und spä­ter nach Ent­eig­nung des Grund und Bodens in die LPG inte­griert.“

Quel­le: „Land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten – Wiki­pe­dia“ http://de.wikipedia.org/wiki/Landwirtschaftliche_Produktionsgenossenschaft

Arbeitsweise der LPG

Die Mit­glie­der der Land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten erhiel­ten einen leis­tungs­be­zo­ge­nen Arbeits­lohn und eine Gewinn­be­tei­li­gung, die in der Jah­res­end­aus­zah­lung ent­hal­ten war. Dar­über hin­aus wur­de den Bau­ern, die land­wirt­schaft­li­che Flä­chen ein­ge­bracht hat­ten, zuge­stan­den, einen flä­chen­be­zo­ge­nen Gewinn­an­teil, die soge­nann­ten Boden­an­tei­le, zu erhal­ten.

Das höchs­te Organ der LPG war die Mit­glie­der­ver­samm­lung. Zwi­schen den Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen lei­te­te der Vor­stand den Betrieb. In den LPG’en wur­de die Arbeit über Abtei­lun­gen und Bri­ga­den orga­ni­siert und die Genos­sen­schafts­bau­er konn­ten eine indi­vi­du­el­le Haus­wirt­schaft betrei­ben. Über­wie­gend stand je Mit­glied 0,5 ha Land zu, wel­ches aber im Lau­fe der Ent­wick­lung meis­tens durch die LPG bewirt­schaf­tet wur­de und die Genos­sen­schafts­mit­glie­der erhiel­ten dar­aus einen Deput­at­lohn in Form von But­ter oder wahl­wei­se eine jähr­li­che Zusatz­ver­gü­tung.

Akzeptanz der Genossenschaften steigt

In den 60er Jah­ren wuchs die Akzep­tanz der LPG vor allem dadurch, dass die Arbeit in einer Genos­sen­schaft eine Erleich­te­rung gegen­über der des Ein­zel­bau­ern dar­stell­te. So wur­de die Gestal­tung der Feld- und Wie­sen­flu­re groß­flä­chig vor­ge­nom­men. Ein rela­tiv groß­zü­gi­ger Land­ma­schi­nen­park konn­te effek­tiv genutzt wer­den. Die Vieh­be­stän­de wur­den kon­zen­triert auf weni­ge Stand­or­te und der züch­te­ri­sche Fort­schritt in der Tier- und Pflan­zen­pro­duk­ti­on konn­te opti­ma­ler genutzt wer­den.

Vorteile des Wirtschaftens in LPG’en

Dazu kamen erst­mals für die Bau­ern gere­gel­te Arbeits­zeit, Anspruch auf Urlaub und gesi­cher­tes Grund­ein­kom­men. Auch erga­ben sich in vie­len LPG’en durch die Jah­res­end­prä­mie und die Haus­wirt­schaf­ten über­durch­schnitt­li­che Ver­dienst­mög­lich­kei­ten im Ver­gleich zu ande­ren Beru­fen. Die Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaft för­der­ten ihre Mit­glie­der dar­über hin­aus durch Hil­fen beim Eigen­heim­bau oder Dele­gie­rung zu einem Stu­di­um und betrie­ben zum gro­ßen Teil in den Kom­mu­nen Kin­der­gär­ten und ande­re sport­li­che und kul­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen. Die Lebens­qua­li­tät auf dem Dorf ver­bes­ser­te sich erheb­lich und die Men­schen rück­ten auch enger zusam­men. Die Anglei­chung der Lebens­ver­hält­nis­se zwi­schen Stadt und Land konn­te wei­ter ent­wi­ckelt wer­den.

Volkseigene Güter (VEG)

Bei den volks­ei­ge­nen Gütern (VEG) in der DDR han­del­te es sich im Gegen­satz zur land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaft (LPG) um Land­wirt­schafts­be­trie­be in staat­li­chem Eigen­tum. Die VEG sind über­wie­gend aus ehe­ma­li­gen pri­va­ten land­wirt­schaft­li­chen Gütern oder Domä­nen im Ergeb­nis der Boden­re­form durch ent­schä­di­gungs­lo­se Ent­eig­nung der Besit­zer ent­stan­den. Die Betrie­be hie­ßen 1945 Staats­gut oder Pro­vin­zi­al­gut und danach Lan­des­gut und ab 1949 Volks­ei­ge­nes Gut.

Es exis­tier­ten zen­tra­le VEG, z.B. die der VVB ( Ver­ei­ni­gung Volks­ei­ge­ner Betrie­be ) Saat- und Pflanz­gut, VVB Tier­zucht und der Deut­schen Aka­de­mie der Land­wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten zu Ber­lin sowie regio­nal gelei­te­te VEG auf Basis der spä­ter ein­ge­führ­ten Bezir­ke (bezirks­ge­lei­te­te VEG).

Stützpunkte der Arbeiterklasse auf dem Lande”

Die VEG waren als land­wirt­schaft­li­ches Gegen­stück zum volks­ei­ge­nen Betrieb (VEB) gedacht und gal­ten als Stütz­punk­te der Arbei­ter­klas­se auf dem Lan­de. Im Jah­re 1950 wur­den rund 600 Volks­gü­ter als künf­ti­ge Zen­tren der Saat- und Vieh­zucht und Zen­tren für die fach­li­che und kul­tu­rel­le Hebung des Niveaus der gesam­ten Land­be­völ­ke­rung gegrün­det. 1960 bewirt­schaf­te­ten die dann bereits rund 690 VEG ca. 6,3 % der land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che der DDR. Im Zuge der all­ge­mei­nen Kon­zen­tra­ti­on und Spe­zia­li­sie­rung im Agrar­we­sen sank die Anzahl der VEG bis 1980 aller­dings auf 385 Stück.

Aufgaben der VEG

Die Auf­ga­ben der VEG kön­nen im Wesent­li­chen wie folgt zusam­men­ge­fasst wer­den:

1.) Durch vor­bild­li­che Wirt­schafts­wei­se in jeder Hin­sicht […] den Bau­ern die Über­le­gen­heit des sozia­lis­ti­schen Groß­be­trie­bes […] über­zeu­gend zu bewei­sen. […] sie müs­sen als Schritt­ma­cher bei der Ent­wick­lung der Pro­duk­ti­on, der Qua­li­tät und Erhö­hung der Effek­ti­vi­tät“ die­nen.

2.) Vor­ran­gi­ge Erzeu­gung von Pro­duk­ti­ons­mit­teln, d.h. hoch­wer­ti­gen Saat- und Pflanz­gu­tes sowie leis­tungs­fä­hi­gen Zucht- und Nutz­viehs […]

3.) Die Auf­ga­ben der Leh­re und For­schung […] neh­men in den volks­ei­ge­nen Gütern nach wie vor einen sehr bedeu­ten­den Platz ein, und nicht uner­heb­li­che For­schungs­ka­pa­zi­tät ist hier sta­tio­niert.

4) […] als Trä­ger­be­trie­be der Berufs­schu­len der land­wirt­schaft­li­chen Beru­fe haben sie hier eine gro­ße Ver­ant­wor­tung zu tra­gen.

5)  Beträcht­lich ist der Umfang, den unse­re staat­li­chen Güter, vor­wie­gend die bezirks­ge­lei­te­ten Güter sowie die zen­tral­ge­lei­te­ten Kom­bi­na­te für indus­tri­el­le Mast (KIM) bei der Pro­duk­ti­on aus­ge­wähl­ter Kon­sum­pro­duk­te in höchs­ter Qua­li­tät leis­ten und damit zur guten Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit hoch­wer­ti­gen Nah­rungs­mit­teln und der Indus­trie mit Roh­stof­fen maß­geb­lich bei­tra­gen. […]“

Quel­le: „Tagung Ber­lin, Aka­de­mie der Land­wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten DDR Ber­lin 1984“
Saatzuchthauptgut-Klein-Wanzleben VEG-Drewitz

 

 
Quel­le: „Von der Boden­re­form bis zur Treu­hand; Lexi­kon der volks­ei­ge­nen Güter und ihrer Direk­to­ren im Bezirk Mag­de­burg“, Ernst-Wal­ter Paasch und Die­ter Sta­e­vi; dr. Zie­then­ver­lag, S. 7,10